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Bleib mein Schlagendes Herz

Auftragsstück des Schauspiel Frankfurt für die Jahresproduktion der Studierenden der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Ausbildungsbereich Schauspiel

Autorin: Juliane Kann
Regie
:   Daniela Löffner

„Läufst du mit mir einen von diesen beschissenen Sonnenuntergängen... vielleicht auch nicht... brauch ich nicht.“

Juliane Kann lässt in ihrem Stück Figuren einer Generation aufeinander treffen, die nichts mehr zu teilen scheinen außer den gemeinsamen Schmerz. Mitte Zwanzig, in einer entzauberten Welt, kühl, sezierend und vernichtend in ihrem Urteil über das Leben. Sie wirken irgendwie gefangen, zwischen youTube und youPorn, innerlich verstrickt in all dem, was man dort so findet, ihre Dialoge - fragmentiert, zufällig und willkürlich, wie ein zielloses Klicken durch Onlinewelten. Alles wird mal eben gesagt, alle Existenzängste kurz angerissen und so entsteht nebenbei das Porträt der Befindlichkeiten einer jungen Gesellschaft, die sich als ständig Suchende, auf das große Eigentliche wartende versteht.

„Ich will irgendwann mal was machen, was wirklich Bedeutung hat.“

„Ich will einfach nur Kribbeln im Bauch haben.“

Ihr großer Schmerz: Ein Gemisch aus Müdigkeit und Langeweile, für das sie lange nicht alt genug ist. Die Liebe bleibt alleiniges Mittel gegen die Eintönigkeit. Doch das Lieben hat man nicht gelernt. Alle bisherigen Liebesbemühungen sind gescheitert, wurden versachlicht und schließlich jeder Romantik entkleidet. Liebe offenbart sich als weitere Form des Egoismus, als die brutalste. Die Ehe, einmal Maximalpunkt zwischenmenschlicher Verbundenheit, wird zum Gefrierpunkt gemeinsamer Einsamkeit.

„Alles gibt es zu kaufen, nur nicht eine Umarmung.“

„Ich würde mich gerne in dich verlieben.“   
„Dann tue es doch.“   
„Aber ich muss doch weiter.“

Wenn sich das Ensemble in einen Wechselgesang aus Erstickung und Babygeschrei hineinbringt, lässt es uns für einen Moment die quälende Enge dieser existentiellen Verängstigung nachempfinden, in der keine Rettung zu erkennen ist. Gott kann nicht helfen, wird nicht mal verneint. Er bleibt einfach nur unverständlich und somit ohne Bedeutung für die Selbstauslegung.

„Es gibt immer einen Sinn...
... irgendeinen Sinn muss es doch haben.“

Leider verlieren sich die wenigen Höhepunkte der Inszenierung in der konsequent verfolgten sequenziellen Handlung. Zwar wird, über 90 Minuten, ein breites Panorama kontextueller Lebenswelten skizziert, jedoch bleibt dieses ohne einschlägiger Wirkung. Wir hätten als Zuschauer gerne etwas mehr gelitten.

Das Stück ist noch zu sehen am 21.05.2010 um 20:00 Uhr in den Kammerspielen des Schauspielhaus Frankfurt.

Timo Teberikler | Klaus Popa

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